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Die Uhr zeigt sekundengenau, wie spät es ist. Minute um Minute rückt der Zeiger mit einem kleinen Sprung über das Ziffernblatt. Ich erinnere mich an die Zeit, als die Zahnräder der mechanischen Uhr ausgeschlagen waren und sie sehr ungenau ging, bis sie schließlich stehenblieb. Damals haben viele Menschen mit ihrem Freiwilligen Kirchgeld dazu beigetragen, daß jeder seither die Uhr nach unserer Turmuhr stellen kann.
Neben der Zeitangabe weist sie uns darauf hin, wie unsere Zeit vergeht.
In der offenen Laterne sehen wir die 281 Jahre alte Glocke. Stunde um Stunde erklingt sie. Wenn man genau hinhört nimmt man nicht nur die harten Schläge des Hammers wahr, sondern entdeckt, wie die Schallwellen sich ringförmig ausbreiten. So wie sich kreisförmig Wellen entwickeln, indem man einen Stein in das Wasser wirft, so breitet sich der Klang der Stundenglocke aus über unseren Ort. Und wenn für ein Gemeindeglied das letzte Stündlein geschlagen hat, wird dieser Mensch zur nächsten Mittagsstunde ausgeläutet. Mit dem Glockenklang bringen wir dann manches stille Gebet vor Gott.
Abends um 18 Uhr lädt die Glocke dazu ein, im Gebet den Tag zu bedenken und den Feierabend zu beginnen. In alter Zeit begann damit der neue Tag. Aus der Ruhe entsteht die Kraft. So läuten wir am Sonnabend den Sonntag ein und die neue Woche beginnt. Nicht nur damit erweist sich der Kirchturm auch als ein sperriger Fremdkörper in unserer Zeit. Denn für viele beginnt die Woche mit dem Montag und sie endet irgendwo orientierungslos, weil man alles an Arbeit, Geld und Leistung (oder dem Mangel daran) bemißt. Präzise wie eine Bahnhofsuhr kündet der Kirchturm von einem ganz anderen Sinn, einer ganz anderen Zeit und wird so zu einer heilsamen Zeitansage.
Die Wetterfahne bietet eine ebenso doppeldeutige Orientierung im Raum. Da unsere St. Georg Kirche im Unterschied zu anderen Kirchen nicht von West nach Ost ausgerichtet ist, werden die vier Himmelsrichtungen angezeigt. Das waagerechte Kreuz ist mit dem Kompaß ausgerichtet und zeigt somit die Himmelsrichtungen punktgenau an. Wenn die vergoldete Wetterfahne in der Sonne blinkt kann man jederzeit ablesen, woher der Wind weht.
Man kann sich auch fragen, wie das für einen selbst, ganz persönlich zur Zeit ist. Hänge ich mein Fähnlein in den Wind? Lasse ich mich von jedem Windwechsel beeinflussen? Ist ein Kurswechsel auf meinem Lebensweg erforderlich? Woran orientiere ich mich, wenn mir der Wind hart entgegensteht?
Das Wichtigste aber sehen wir ganz oben - und vielleicht haben Sie es noch nie wahrgenommen. Ganz oben befindet sich eine goldene Kugel. Die Goldene Kugel ist ein Symbol für Gott. Anfang und Ende bilden eine Einheit. Die Farbe Gold steht in der Sprache der Ikonen für die Gegenwart Gottes. Über allen Fragmenten und Farben der Erde finden wir den Hinweis auf die Gegenwart Gottes in unserem Raum und in, vor und nach unserer Zeit.
Die Gottes - Kugel steht als „Perle des Glaubens“ für das Gebet: „Du bist ewig, Du bist nahe, Du bist Licht und ich bin Dein.“
Ich wünsche Ihnen dieses Vertrauen!
Ihr Pastor Eckhard Kruse
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