Einheit in Vielfalt

Unermüdlich dreht sich das Kettenkarussell. Malerisch steht es unter den Eichen. Die Kinder fahren mit oder stehen fröhlich davor. Es ist die Attraktion dieses kleinen Schützenfestes. Der Duft frisch gebrannter Mandeln lockt – es gibt tatsächlich noch die gleichen Waffeln wie in meiner Kindheit.

Das ganze Dorf hat sich am Pfingstsonnabend auf dem Festplatz versammelt. Gerade legt man dem neuen König die schwere Kette mit den Namen vieler Vorgänger um. Es hatte nichts von militärischem Drill, als man sich gegenseitig die Schulterstücke auswechselte und kräftig mit zufaßte, damit die großen Ehrenzeichen des Königs auch gut sitzen. Die Königin trägt jetzt eine silberne Krone und einen bunten Blumenstrauß. Die Festmusik spielt geduldig immer neue Strophen einer Hymne. Niemand ist in Eile. Die Sonne scheint – was will man mehr? Es muß nicht das größte und längste Schützenfest sein, jeder Ort hat seine eigenen Traditionen. Nienwalde ist überall – und gleichzeitig etwas ganz Besonderes.

Pfingstsonntag auf kultureller Landpartie: Wenn man von Salderatzen über Kukate und Mützingen auf kleinsten Wegen durch Groß Heide, Vasenthien und andere Orte bis nach Gartow fährt, dann kann man etwas erleben. Wie unterschiedlich die Kulturformen sind! Die Gestaltung der Gärten und Orte, die blühende Natur, die lebendige Mischung von Tradition und Kreativität sind eine Entdeckungsreise wert.

Auch von einer dritten Erfahrung möchte ich Ihnen anläßlich des Trinitatis – Festes erzählen. Pfingstmontag wurde in Meetschow ein Dorfkirchentag gefeiert. Der Familien - Gottesdienst war von allen Altersgruppen hervorragend besucht. Die Kantorei sang alte Chormusik, junge Familien spielten die Pfingstgeschichte. Die Predigt wurde vom Kanzelaltar aus gehalten. Die Weisheit der Kinder, die Visionen der Erwachsenen und die Träume der Alten kamen zur Geltung. Eine bunte Suppe wurde gemeinsam vorbereitet und gekocht, jede Familie hat Gemüse beigesteuert. Alle haben zum Gelingen des Pfingstfestes beigetragen.

Was war jetzt die schönste Begebenheit des Pfingstfestes? Diese Frage kann ich nur so beantworten: Alles zusammen ergibt eine tiefe Lebensqualität. Die Vielfalt wird zu einer neuen Einheit. Das feiern wir zu Trinitatis.

Ein alter irischer Spruch bringt für mich die genannten Erfahrungen mit Gott zusammen. „Drei Falten hat das Gewand des Priesters – und doch ist es gewebt in einem Stück. Drei Glieder hat ein Finger – und doch bewegen sie sich gemeinsam. Dreiblättrig ist der Klee – und doch sagst du nur: Kleeblatt. Rauhreif, Schnee und Eis – alles zergeht zu Wasser. Drei Personen sind in Gott – und doch ist er immer derselbe Ein – Heilige.“

Die Vielfalt Gottes wird zu einer neuen Einheit. Die gegensätzlichen Erfahrungen unseres Lebens kommen zu einem Ganzen zusammen. Wir dürfen Gott zutrauen, daß er auch die Bruchstücke unseres Lebens zu einem Ganzen zusammenfügt.

Eckhard Kruse

Pastor in Gartow