Exequien

Intensität durchgehend präsent

Britzer Vocalensemble und Gartows Kleine Kantorei singen in der St. - Georg - Kirche die “Exequien” von Heinrich Schütz

Ein Bericht von Thomas Jantzen in der Elbe - Jeetzel - Zeitung vom 27. Nov. 2006

Ein Erlebnis für die vielen Besucherinnen und Besucher: In der Gartower St. Georg Kirche intonierten das Britzer Vocalensemble aus Berlin und die Kleine Kantorei aus Gartow (Foto) eine Musikalische Chorvesper.

Im Mittelpunkt standen die “Exequien” von Heinrich Schütz.

Mindestens genau so sehr durch ihre Entstehung als Auftragswerk zur Beerdigung des Geraer Fürsten Heinrich Reuss Posthumus ist die Zentralität des Themas Tod in den “Musikalischen Exequien” von Heinrich Schütz durch das Erleben von Krieg, Pest und Hexen- verbrennungen von Gewalt der frühen Neuzeit stellt Schütz in seinem Werk von 1635 eine Utopie der Freiheit entgegen, eines befreiten Lebens nach dem Tod.

In der eindrucksvollen Art, wie der Komponist dies musikalisch formuliert, geht er über Grenzen hinweg: Die enge Verschränkung zwischen solistischer Monodie und chorischer Polyphonie etwa ist musikalischer Reflex auf eine sich abzeichnende neue Ordnung.

Mit solchen Mitteln erreicht die dreiteilige musikalische Innenschau eine überwältigende Intensität - eine Intensität, die in der Interpretation des Britzer Vocalensembles aus Berlin und der Kleinen Kantorei Gartow, die die “Exequien” unter Michael Röbbelen in Gartow vollbesetzter St. Georg - Kirche sangen, durchgehend präsent war.

Musikalische Chorvesper am 25. November 2006

Musikalische Chorvesper nannte sich das Ganze. Spannung und Innigkeit prägten die so präzise und fein nuanciert und unangestrengt gesungene Interpretation. Die Einstudierung der Kleinen Kantorei hatte Dorothea Tramitz besorgt.

Indem sie immer dann besonders ausgefeilt und wagemutig komponiert ist, wenn in ihr das utopische Moment anklingt, ist die Musik von Heinrich Schütz ein beeindruckendes und gelungenes Zeugnis des Entstehens einer Idee des Individuums, das von Zwängen befreit sich selbst artikuliert. Den beiden Chören und den Solisten aus den Reihen der Gäste aus Berlin gelang es, diese Momente beredt präsent zu machen: Da war zum Beispiel die wunderbare Feinheit, mit der sich im abschließenden “Canticum Simeonis” die Parts des aus drei Sängerinnen und Sängern bestehenden Fern - Chores und des Haupt - Chores zu berückenden Klangornamenten verbanden.

Vielschichtiges Klanguniversum

Leichthändig - souverän erklang der komplexe zweite Teil, die doppelchörige Motette “Herr, wenn ich nur dich habe”; das ruhige Dirigat Michael Röbbelens brachte das vielschichtige Klanguniversum der acht Stimmen unaufdringlich als Einheit zur Geltung.

Der erste Teil, das “Concert in Form einer teutschen Begräbnis-Missa”, war von einem von Solisten wie Chor feinfühlig und präzise realisierten Wechselspiel zwischen beiden geprägt. Eine große Rolle spielt die klangmalerische Textausdeutung: Viertelpausen etwa, die die Begriffe Arbeit und Mühe illustrieren, aufwärts strebende Melismen auf “sterben” , scharfe Kontraste zwischen blockweise geführten hohen und tiefen Stimmen sind Ausdruck des utopischen Momentes - alle gerieten den Beteiligten ausdrucksstark.

Motetten von Schein und Lechner

Das gilt auch für die übrigen am Sonnabend in der St. Georg - Kirche intonierten Werke des Programms. Die Kleine Kantroei sang unter Leitung von Dorothea Tramitz engagiert je eine Motette von Schein und Lechner. Das Britzer Vocalensemble stellte mit dramatisch - farbkräftigen Werken von Mendelssohn-Bartholdy und mit Hugo Distlers vorsichtig neuntönerischer Begräbnismotette “In der Welt hab ihr Angst” spätere Formen der musikalischen Auseinandersetzung mit dem Thema des Konzerts zum Totensonntag vor.