Freiheit atmen

Auch für uns vom Westufer der Elbe war der Fluß ein Symbol der Trennung geworden. Doch es gibt nicht nur Trennendes. Sehr schnell haben wir entdeckt, wie vieles uns als Christen miteinander verbindet. Die Posaunenchöre konnten sich ohne großen Aufwand zu einem Klangkörper verbinden und die Menschen aus verschiedenen Gemeinden stimmten in vertraute Choräle ein. Auch neue Lieder, von Kurt Marti und anderen, lassen sich leicht anstimmen.

Nach der geistlichen Eröffnung gibt es Begegnungen bei dem gemeinsamen Essen. Auch die Rückfahrt ist geprägt von fröhlichen Begegnungen. Das Fest Christi Himmelfahrt eröffnet uns neue Möglichkeiten. Weite und Freiheit werden erfahrbar, wenn wir uns auf den Weg machen. Schöpferlob erklingt in Gottes grünender und blühender Natur. Die Nachtigall auf dem Weg durch das Elbholz begleitet uns mit ihrem Gesang. Wir atmen Freiheit.

Indem wir unsere engen Grenzen überwinden, werden wir in geistige Weite geführt. Für mich zeigt sich in den gemeinsamen Gottesdiensten der Geist, der seit Christi Himmelfahrt die Kirche beflügelt. Nach wie vor haben wir auf beiden Seiten der Elbe die Grenze in unseren Köpfen. Eine anfängliche Euphorie wich vielerorts tiefen Enttäuschungen. Da ist es sehr wichtig, daß wir uns auch heute von Visionen leiten lassen und konkrete Schritte gehen. Die ersten Begegnungen unserer Gemeinden setzen sich heute auch auf anderen Ebenen fort. Ein gemeinsamer Veranstaltungskalender hebt das Verbindende der Elbtalauen hervor und führt die Menschen auf beiden Seiten des Flusses zusammen.

Aus tiefen Wurzeln des Glaubens, aus Visionen und kleinen ermutigenden Schritten eröffnet sich eine neue Weite. Das war so ganz am Anfang unserer Kirche. Das ist so, indem wir zu dem gemeinsamen Himmelfahrts – Gottesdienst einladen. Und darin liegt auch die Zukunft unserer Kirche.

Seit 15 Jahren feiern wir die Gottesdienste zu Himmelfahrt gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden im Freien.

An den jeweiligen Kirchen treffen sich Menschen, um gemeinsam durch die Elbtalauen zu radeln. Dies ist mehr als eine äußere Form, denn die gastgebenden Gemeinden liegen an beiden Seiten der Elbe. Welch ein Mut gehörte anfangs für die Gemeinde in Lenzen dazu, die schützenden Mauern der Kirche zu verlassen und im Pfarrgarten christliche Lieder zu singen. Alle Nachbarn konnten es doch hören! 40 Jahre DDR – Geschichte lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen ablegen.