Kritik van Beek

Vom Gefühl getragene Musikalität

Organist aus Groningen überzeugte - Gut besuchte Orgelkonzerte in Gartow

bd Gartow. Der amtierende Organist aus Groningen, Wim van Beek, präsentierte kürzlich im Rahmen des Gartower Orgelsommers die Gartower Hagel-steinorgel in all ihrer Vielfalt, Musikalität und Klangfülle. Wie schon die Ausführenden in den vorangegangenen Konzerten hatte van Beek ein Programm zusammengestellt, das der barocken Disposition dieses auch in seinem Prospekt wunderschönen Instruments Rechnung trug.

In filigraner Zartheit begann der Abend mit der »Toccata Prima» von Georg Moffat (1653 - 1704). Virtuos füllte van Beek die Schlosskirche mit technisch brillanten Figurationen, die durch ihre perlenden Töne und rauschenden Akkorde willkommene Assoziationen an einen Gebirgsbach auslösten. Die folgende Partita »Freue dich sehr, oh meine Seele» von Georg Böhm (1661 - 1733) zeigte in ihren wechselnden Registrierungen und Umspielungen die außergewöhnlichen Klangfarben der Hagelsteinorgel.

Einige kurze meditative Lesungen unterstützten die besinnliche Leichtigkeit und abendliche Entspannung, von der das gesamte Konzert getragen wurde. Nur hin und wieder schwoll die Musik zu der Klangfülle, die man üblicherweise mit Orgelmusik verbindet.

Auch das Werk »Elevatione» von Domenico Zipoli (1688 -1726) und die verschiedenen Choräle und die Partita »Sei gegrüßet, Jesu gütig» von Johann Sebastian Bach (1685 -1750) unterstrichen in ihrer Polyphonie die Vielfalt der barocken Orgelmusik, die ohne das teilweise Bombastische und Überwältigende späterer Werke auskommt. Wim van Beek, der in Groningen selbst eine großartige Orgel zur Verfügung hat, bestätigte begeistert die hohe Qualität der Hagelsteinorgel. Mit seinem Spiel wurde er dieser Qualität mehr als gerecht. Meis-terlich beherrschte er das ihm unbekannte Instrument, mit dessen Klang er den zur Verfügung stehenden Raum ausgewogen füllte. Je länger er spielte, umso erstaunlicher erschien seine vielfältige, vom Gefühl getragene lyrische und liedhafte Musikalität. Eine Musikalität die tiefer dringt als reiner Genuss an Schönheit. Sanft aber unerbittlich öffnete jeder neue Satz Türen zu kontemplativem Empfinden. Bei ausreichender Aufmerksamkeit - die zu abendlicher Stunde ja häufig schon schwere Prüfungen hinter sich hat - wurde die belebende Spannung spürbar, die die unterschiedliche, präzise Tonführung der zwei Manuale und des Pedals aufbaute und die zum Ende des Konzerts ihren Höhepunkt erreichte.

So verließen viele Zuhörer die Kirche mit einem Zuwachs an Energie und Freude. Auch Kreis-kantor Axel Fischer freute sich. Einmal natürlich über die hohe musikalische Qualität des Gartower Orgelsommers, die sich auch in den vorangegangenen Konzerten mit einem vielfältigen Programm ausgedrückt hatte; zum anderen aber ganz besonders darüber, dass das Angebot einen so guten Anklang gefunden hat. »Und das im hintersten Winkel auf dem platten Land mitten in der Woche», begeisterte sich Kantor Fischer. Die Kirche war beim ersten Konzert mit 80 Zuhörern noch etwas spärlich gefüllt, mit jedem Mittwoch erhöhte sich die Zahl jedoch und erreichte an diesem gut besuchten Abend mit 130 Gästen ihre bisherige Höchstzahl. Das letzte Konzert dieses Sommers findet am Mittwoch, dem 13. August, mit Axel Fischer, Orgel, und Kantorin Dorothea Tramitz, Gesang, statt.