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Seelsorger: Gorleben hat Menschen im Wendland geprägt
Gartow/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Der Konflikt um die Atomanlagen im niedersächsischen Gorleben hat nach Ansicht von Pastor Eckhard Kruse die Einwohner der Region geprägt. "Hier im Wendland gibt es deutlich mehr Menschen, die das als ihr Thema ansehen, als an anderen Standorten in Europa", sagte der evangelische Pastor aus Gartow bei Gorleben am Donnerstag im epd-Gespräch. "Die Menschen sind innerlich berührt", betonte Kruse 30 Jahre nach der Benennung Gorlebens als atomarem Standort.
Am 22. Februar 1977 hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) Gorleben als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" benannt. Fast ebenso lange wird über die Eignung des dortigen Salzstockes als Atommüll-Endlager gestritten. Kirchengemeinden bemühten sich im Konflikt, der bis in den Alltag reiche, die Menschen zusammenzuführen, sagte Kruse. Doch das gelinge nicht immer: "Der Riss geht durch Familien und Freundeskreise."
Der Pastor verweist auf eine Studie über Auswirkungen der Ansiedlung von Atommüll-Endlagern, die Schweizer Wissenschaftler im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. In der Region um Gorleben sagen demnach 70 Prozent der Bevölkerung, die Pläne führten zu Spannungen in ihrem Wohnort. 66 Prozent beschreiben die Stimmung als besorgt und sagen, die Mehrheit lehne ein Lager in Gorleben ab.
An Standorten in der Schweiz und Frankreich sei die Haltung deutlich gelassener, sagt Kruse: "Was bei uns hochkocht, ist im internationalen Vergleich einmalig." Der Pastor, der seit mehr als 17 Jahren in Gartow tätig ist, erklärt sich das auch mit dem Verfahren der Endlagersuche. Zwar ruhe seit dem Jahr 2000 die Erkundung des Salzstockes in Gorleben. Doch Alternativen, wie sie die evangelische Kirche seit 1990 fordere, gebe es bis heute nicht. Ebenso wenig habe man klare Kriterien für ein künftiges Endlager.
Kruse warnte davor, die Arbeiten im Salzstock wieder aufzunehmen, selbst wenn zeitgleich nach Alternativen gesucht werde: "Wenn von Alternativen nur gesprochen wird, aber in Gorleben wird weiter gebuddelt und dorthin fließt Geld, dann schafft das kein Vertrauen." Ob dieses Vorgehen zulässig sei, müssten schließlich Gerichte prüfen, sagte der Pastor. In jedem Fall werde dadurch die Meinung beflügelt, dass Gorleben unabhängig von seiner Eignung als Endlager bereits feststehe.
Kruse arbeitet im Auftrag der Landeskirche seit sechs Jahren in einem europäischen Netzwerk zum Thema Atommüll mit. Wissenschaftler, Vertreter von Industrie und Behörden sowie Bürger betroffener Regionen aus 14 Ländern sind daran beteiligt (http://www.cowam.org/). Unter anderem gehe es darum, wie etwas sozial verantwortlich gestaltet werden kann, das sich über viele Generationen auswirkt, erläuterte er. Wichtig seien transparente Verfahren. Die aber fehlten in Gorleben.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0366/15.02.07) Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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