Landessuperintendent

Kommentar aus der Evangelischen Zeitung im September 2008

Endlager ungelöst

Längere Laufzeiten veralteter Kernkraftwerke; der „Ausstieg aus dem Ausstieg“; Kernkraft als Retter aus der Klimakatastrophe: Da braut sich etwas zusammen am energiepolitischen Himmel. War da noch was? Der Widerstand: nur ein regionales Phänomen. Geologische Gutachten über die Nichteignung des Gorlebener Salzstocks: in der Schublade verschwunden. Die Suche nach alternativen Standorten: Fehlanzeige. Das Moratorium bei der Erkundung des Salzstocks: nutzlos verstrichene Jahre.

Nein, es steht nicht gut um den „Dauerbrenner Endlagerung“. Die Standortfrage eines Endlagers für hochgiftigen Atommüll ist noch nicht entschieden. Wenn die Castor-Behälter nach Gorleben rollen, werden sie nicht im Salzstock versenkt, sondern in einer Art „Kartoffelscheune“ zwischengelagert. Da immer mehr strahlender Müll produziert wird, muss die Frage nach der Endlagerung jedoch dringend gelöst werden! Daher ist es sehr zu begrüßen, dass der EKD – Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber kürzlich das Wendland besuchte, um sich selber ein Bild zu machen.

Was kann er tun? Er kann in Kirche und Öffentlichkeit deutlich machen, dass es sich keinesfalls um ein regionales Problem handelt. Er kann Politikern (und Bischofskollegen!) ins Gewissen reden, dass sie die Suche nach alternativen Standorten nicht länger blockieren. Er kann auf klare Kriterien dringen und das Gewicht der Kirche in die Waagschale der öffentlichen Diskussion werfen.

Noch einen Hoffnungsschimmer sehe ich, so makaber das vielleicht klingt: „Die Asse bringt es an den Tag …“ Nach den haarsträubenden Enthüllungen im Atommüllager Asse (von durchgerosteten Fässern bis zum „Absaufen“ der Schachtanlage) kann kein ernstzunehmender Politiker mehr behaupten: „Salzstöcke sind sicher!“ Eine neue wissenschaftliche Qualität der Gutachten ist erforderlich. Selbstverständlich auch für Gorleben.

Hans-Hermann Jantzen, Landessuperintendent in Lünebürg