Lebens (T) räume

Spätschicht bei der SKF. Konzentriert und effektiv wird gearbeitet. Maschinen wiederholen präzisionsgesteuert immer die gleichen Abläufe, bis sie neu programmiert werden. Menschen achten mit klaren Vorgaben der Betriebshandbücher darauf, dass die Produktionsziele erreicht werden. Spätestens wenn die standardisierten Abläufe ins Stocken geraten, ist der Mensch gefragt. Flexibel und sorgfältig arbeitend erlebe ich die Mitarbeiter bei meinen seltenen Besuchen dieser Fertigungshallen. Es riecht wie in einer Autowerkstatt. Alle Materialien sind sorgfältig geordnet. Bei meinem letzten Besuch hat mich neben der Arbeitsatmosphäre besonders die weiter gesteigerte Qualität der Produkte beeindruckt.

In allen Lebensbereichen, vom Radlager des Autos über Fensterheber bis zu Windkraftanlagen, trifft man auf Lager aus Lüchow. Sie führen zu Sicherheit im Straßenverkehr. Viele schwere Unfälle werden vermieden durch den Einsatz modernster Technik. Ein global wirkender Konzern muß betriebswirtschaftlich prüfen, wie lange sich ein Standort ohne Bahnanschluß in Deutschland rechnet. Investitionen in die Technik bauen Arbeitsplätze ab, können aber auch einen Standort erhalten. Für viele droht nun ein Ende der Schicht. „Aus der Traum“.

Mein Herz schlägt für die Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen. Sie und ihre Familien sind einer großen Belastung ausgesetzt. Der Betrieb sichert nicht nur das Einkommen, er ist auch Lebensraum. Jahrelang nahezu täglich viele Stunden am Stück dort zu arbeiten, prägt ja das ganze Leben. Ruheständler aus meiner Gemeinde identifizieren sich bis heute mit ihrer angesehenen Arbeitsstätte. Für viele Mitarbeiter geraten nun die Lebensabläufe ins Stocken, wieder ist der Mensch gefragt.

Die evangelische Fastenaktion „Lebens (T) räume“, www.sieben-Wochen-ohne.de, deutet den unauflöslichen Zusammenhang von Lebensträumen und Lebensräumen an. Wenn Türen zu Räumen verschlossen werden, öffnen sich gleichzeitig neue Lebensräume. Der Blick kann sich weiten, wenn wir den Träumen unseres Lebens Gewicht geben, und nicht nur den offensichtlichen Realitäten Macht einräumen. Nur wenn ich Lebens - Träume habe, also Visionen einer neuen Wirklichkeit, dann entstehen auch neue Lebensräume.

Um neue Räume zu schaffen, ist am Anfang genau das Gegenteil von dem zu tun, was ich schließlich erreichen möchte. Bevor man etwas baut, muß der Platz dafür geschaffen werden. Altes muß abgerissen werden. Wenn wir etwas nach oben aufbauen wollen, müssen wir es zunächst tief nach unten gründen. Diese alltäglichen Erfahrungen können wir auf andere Lebensräume übertragen. Jesus Christus musste sterben, damit wir das ewige Leben haben.

Verzicht steht am Anfang, wenn aus einem Traum ein Raum werden soll. Ohne bewussten Verzicht gelingt es nicht, neue Ebenen der Wirklichkeit zu erreichen. Die Veränderung von Gewohnheiten ist mühselig. Ob Sie nun freiwillig fasten, oder weil Sie durch äußere Einflüsse, Krankheit oder Trauer genötigt sind, neue Lebensräume zu gestalten, wünsche ich Ihnen die nötige Kraft dafür und gute „Lebens (T) räume“!

Eckhard Kruse

Pastor in Gartow