Rossini-Messe

Gewisses Quantum Ironie

Rossinis Petite messe solenelle in der Gartower Kirche

tj Gartow. Es nimmt nicht wunder, dass Richard Wagner in den »Meistersingern» eine Parodie auf eine Arie aus einer Rossini-Oper eingearbeitet hat. Eine gewisse Leichtigkeit des Seins, die dem deutschesten aller Komponisten wie der Mehrheit seiner Landleute als »welscher Tand» unerträglich schien, manifestiert sich außer in vielen seiner Opern auch in Rossinis Spätwerk, der »Petite Messe solenelle».

Unwiderstehlich gelingt es Rossini in diesem Spätwerk, die Spannung zwischen einer Naivität des Tonfalls, der manchmal die Regionen von Parodie, Spott, Persiflage streift, und Überzeugung auszubalancieren. Das, was Rossinis Ton so ironisch-charmant macht, ist Ausdruck, nicht Gegenteil eines Gefühls, auf dessen Kern die formale Leichtigkeit des Werks verweist; es ist Zeugnis von Souveränität. Mit Souveränität gelang es am Sonnabend auch dem Britzer Vocalensemble aus Berlin, den Gastsolisten sowie den Begleitern Monika Gröbl (Klavier) und Vinzenz Weissenburger (Harmonium) beim Konzert in der Gartower Kirche die Vielschichtigkeit der »Petite Messe solenelle» herauszuarbeiten: Präzision, Durchhörbarkeit, feinfühliger Umgang mit den Details der Faktur - die auf Rossinis solide kontrapunktische Ausbildung verweisen - und empathische Musikalität prägten die Aufführung.

Gleich am Beginn machte das Kyrie deutlich, warum der Komponist mit seiner Bemerkung recht hatte, die »Petite Messe solenelle» sei »keine Kirchenmusik für euch Deutsche»: Die ersten Takte machen deutlich, dass es in Rossinis Welt um nichts weniger geht als um Pathos und Tiefgründigkeit - statt dessen wird Gefühl gerade durch ein gewisses Quantum musikalischer Ironie betont. Der Chor entwickelt sich aus einer von markanter Rhythmik dominierten melodischen Figur des Klaviers, die von einer an ein Tango-Bandoneon erinnernde Verwendung des Harmoniums überlagert wird, der Gesang setzt fast dissonierend ein, findet dann schnell zu strahlendem Ausdruck.

Ähnlich deutlich kontrastiert Rossini auch am Schluss: die weiten Bögen des Agnus Dei, teils vom Chor, teils von der ausdrucksvoll singenden Altistin Susanne Langner realisiert, standen gegen verschmitzte Ostinati des Klaviers. Monika Gräbel zeigte sich nicht nur an dieser Stelle als aufmerksame, präzise spielende Begleiterin. Und im zwischen Bach und Liszt changierendem Offertorium als ausdrucksstarke Solistin. Was im Kyrie und im Agnus Dei an Kontrast scharf betont ist, ist auch in den anderen Sätzen immer präsent: So folgte dem vom Chor als eine Art Fanfare gesungenem »Credo» ein fast arkadisches »in unum deum», an das ein von der Sopranistin Regina Jakobi eindringlich-schlicht gesungenes »Crucifixus est» anschließt. Der Eindringlichkeit, mit der Tenor Maximiliam Schmidt das »Domine Deus» des Gloria sang, standen verspielte ostinate Piano-Motive gegenüber. Der Bass Friedemann Klos schöpfte dann die Spannungen des »Quoniam» nicht wirklich aus.