Schönste Streuobstwiese

Moorschnucken unter den Bäumen

Preise für die schönsten Streuobstwiesen im Landkreis

Bericht von Adolf Blütling in der Elbe – Jeetzel - Zeitung.

Gartow. Obwohl schon fast November, trägt der etwa 80 Jahre alte Baum immer noch sehr viele Früchte. »Geerntet wird traditionell am 11. November, am Martinstag», sagt Pastor Eckhard Kruse aus Gartow.

Der Baum steht im Pfarrgarten in unmittelbarer Nachbarschaft zur St.-Georg-Kirche.

Das gesamte Ensemble ist wichtigster Bestandteil einer Streuobstwiese. Kruse pflückt einen der Äpfel, einen Martinsapfel. »Schmeckt köstlich», freut er sich. Elke Urbansky ergänzt: »Knackig, feinsäuerliches Aroma.»

In dem 1724 angelegten Pfarrgarten, rund 5000 Quadratmeter groß, ist Vielfalt angesagt, hauptsächlich sind es Apfelbäume, die den Blick des Betrachters erfreuen. Und auch Birnen und Kirschbäume, ein Pfirsich- und ein Quittenbaum - insgesamt ergibt das exakt 39 Bäume.

Der Pfarrgarten in Gartow hat es auch dem Landschaftspflegeverband Wendland-Elbetal und dem Bio-Streuobstverein Elbetal angetan. Die schönsten Streuobstwiesen wurden im Rahmen eines Wettbewerbes gesucht. »Wer hat die Schönste im Landkreis?» war gefragt worden. 16 Teilnehmer hatten sich gemeldet. In der Kategorie »Alte Streuobstwiesen» war der in Gartow der Sieg nicht zu nehmen. In der Kategorie »Neu angepflanzt» wurde die gut 7000 Quadratmeter große Wiese von Günter Lühmann aus Kriwitz zur Siegerin gekürt. Geld gab es nicht zu gewinnen, dafür aber Sachmittel wie beispielsweise Obstleitern; von der Sparkasse, dem Pflegeverband, dem bekannten Pomologen Eckart Brandt sowie einer Baumschule aus Wedel und einer Mosterei aus Pevestorf gesponsert. Günter Lühmann aus Kriwitz hat vor sieben Jahren mit dem Anlegen seiner Streuobstwiese begonnen und darauf hoch- wie niedrigstämmige Apfelbäume gepflanzt; rund 40 verschiedene alte Sorten, unter anderem den Uelzener Rambour, den Kriwitzer Lachapfel und den Dülmener Herbstrosen-Apfel. Er lebt zum Teil vom Verkauf seines Obstes.

Günter Lühmann wie auch Eckhard Kruse und die drei Jurymitglieder - Heinke Kelm vom Pflegeverband, die zweite stellvertretende Vorsitzende des Bio-Streuobstvereins, Elke Urbansky, und Eva-Maria Heller vom Pomologenverein - haben es die alten, immer mehr in Vergessenheit geratenen Sorten angetan. Deren Geschmack mache nämlich den großen Unterschied aus. Die meisten heute in Supermärkten erhältlichen Äpfel würden irgendwie alle gleich schmecken und hätten kaum noch Aroma.

Bei der Begutachtung der Streuobstwiesen bewertete die Jury die in Augenschein genommenen Flächen auf der Grundlage eines Kriterienkataloges. Natürlich konnte mit der Vielfalt der Obstsorten kräftig gepunktet werden, mit dem Pflegezustand der Bäume, mit biologischer Schädlingsbekämpfung und wie das Obst verarbeitet wird. Wie die Fläche eingezäunt ist, spielte bei der Punktevergabe eine Rolle, und dass Totholz nicht von der Wiese entfernt wird.

Ein wesentliches Kriterium war auch die Pflege des Unterwuchses. So wird im Gartower Pfarrgarten eine aussterbende Schaf - Rasse gehalten. Es sind Moorschnucken, die die Graspflege übernehmen. Auf der Lühmann’schen Wiese  gedeihen Gemüse und Blumen, unter den Bäumen im Gartower Pfarrgarten sind es unter anderem Kräuter.

Als Kruse unlängst auf eine so genannte Pfarrmatrikel aus dem Jahr 1789 stieß, in der anlässlich eines Pastorenwechsels alle seinem Nachfolger übergebenen Gegenstände aufgelistet wurden, stellte er recht Erstaunliches fest: Damals wuchsen im Pfarrgarten fast genau so viele Obstbäume wie heute: 37 an der Zahl.