Spiritualität

Geistliche Leibesübungen

Gedanken zum Sonntag Invocavit am 29. Februar 2004

Fröhliche Musik erklingt im Gartower Pfarrhaus. Tänzerische Leichtigkeit strahlt das Bandoneon aus. Eltern mit ihren ganz kleinen Kindern nehmen den Rhythmus mit einfachen Instrumenten auf. Die Trommeln werden nicht zum Krachmachen eingesetzt. Musik entsteht im Wechsel von Klang und Stille und durch Übung.

Auch der Glaube bedarf der Einübung. Spiritualität ist die leibliche Seite des Glaubens. Atmen, sitzen, stehen, gehen, singen, fasten gehören dazu. Die Theologie an den Universitäten kann man als „Denksport“ bezeichnen. Spiritualität meint die dazugehörigen „Leibesübungen“.

Am Sonntag Invocavit heißt es: „laßt uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade.“ Das übersetzen wir mit unserem Verhalten, indem wir in die Kirche gehen, und dort zunächst ganz bewußt stehen. Nicht kippelig, sondern mit gutem sicheren Stand. Nicht stehen und innerlich schon sitzen, oder schon weitergehen. Den Atem fliessen lassen. Bewußt ausatmen und innehalten, die Luft wieder einströmen lassen. Religiöse Praxis umfaßt den ganzen Menschen und prägt das Verhalten. Umgekehrt gilt: die äußere Haltung überträgt sich auf die innere Haltung. Wer sich gehen lässt, ist kaum in der Lage, eigene Schritte zu wagen. Wer vor Gott steht, der steht auch zu sich selbst und mitten im Leben. Er wird von dem „Thron der Gnade“ mit Zuversicht in den Alltag gehen.

Der innere Glaube braucht die leibliche Seite, um wirksam zu werden. Ganzheitliche Glaubenserfahrungen brauchen Wiederholung und ergeben sich nicht von allein. „Weshlab slol ich rihctig schreibne lenren? Mna knan es dohc alels so ganz gut vretsehen. Wnen ich simse vrebessret das Handy die paar Fleher gnaz von slebts.“  Wenn Sie Ihrem Kind christliche Grundhaltungen vermitteln wollen wird dies nicht über Worte gehen – gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Morgen. In Ihren Gottesdienst.

Pastor Eckhard Kruse, Gartow