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„Versöhnender Gott, in Jesus Christus hast Du Frieden gestiftet. Wir sehnen uns nach diesem Frieden, nach Gerechtigkeit und erfüllter Gemeinschaft. Gib uns die Kraft, mit dieser Sehnsucht auch selbst etwas für den Frieden zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.“
Mit diesem oder ähnlichen Gebeten bringen wir unseren Wunsch nach Frieden am Ende des Kirchenjahres vor Gott. Als evangelischer Kirchenkreis Lüchow – Dannenberg haben wir festgestellt, daß in unserer Region der soziale Friede gestört ist. 30 Jahre nach der Benennung des Standortes Gorleben ist die Entsorgung des Atommülls weder bei uns noch irgendwo sonst auf der Welt gelöst. Selbst in einem November ohne Castor – Transporte zeigt sich, wie sehr der Friede gestört ist. Wenn Schulkinder mit der Polizei in Konflikt geraten und Schülerinnen und Schüler pauschal als Straftäter verdächtigt werden, ist das nicht in Ordnung.
Wie soll man aus solch einem gesellschaftlichen Konflikt herausfinden? Die Antworten in unseren Gottesdiensten lassen sich auf ein einziges Wort bringen: Umkehr. Doch es ist sehr schwer, umzukehren. Gott weiß es, schreibt bereits vor 2600 Jahren der Prophet Jeremia. An vielen Orten wird am 18. November 2007 über Jeremia 8, 4-7 gepredigt: „Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit der Umkehr, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.“
Bei einem Spaziergang denke ich darüber nach. Auf einer hölzernen Brücke über die Seege halte ich inne. Ich schaue dem stetig fließenden Wasser nach. Alles ist in einer Richtung unterwegs. Letzte Blätter treiben stromabwärts von mir weg. Der Wind weht mir entgegen. Sonnenstrahlen bringen das trübe Wasser zum Glitzern. Hoch über mir erklingt der Ruf der Kraniche.
Zwischen den Ufern denke ich über all diese Gegensätze nach. Wie leicht geschieht es, daß wir die eine Seite eines Flusses für das Ganze halten. Wenn der Wind die Blätter vor sich her wirbelt gibt er ihnen keine Chance zur Umkehr. Doch auf dem Wasser treiben sie unaufhaltsam dem Wind entgegen. Sonnenfeuer und kaltes Wasser werden in der Spiegelung zu einer Einheit. Unvereinbare Gegensätze zählen nicht. Nichts ist starr, alles um mich her ist in lebendiger Bewegung.
Ob wir auf diese Brücke gehen werden, die unser Umweltminister uns wie einen einfachen Steg angeboten hat? Alle Beteiligten müssen umkehren, wenn nicht mehr ein geeigneter Standort gesucht werden soll, sondern der geeignetste unter verschiedenen fragwürdigen Standorten. Wie gut, daß man in Berlin der einhelligen Bitte unseres Landkreises nachkommt, und mit internationalem Sachverstand Fragen der Entsorgung neu erörtern wird. Aber weit ist der Weg, bis Schulkinder nicht mehr an schweren Eisentoren rütteln und Ordnungshüter das nicht mehr für einen Angriff halten.
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